Sozialpartnerschaft ist gut für Österreich
Ein Großteil der österreichischen Bevölkerung steht der Sozialpartnerschaft positiv gegenüber. Unter den beteiligten Akteuren genießt die Arbeiterkammer (AK) das meiste Vertrauen. Fast ein Drittel der Befragten wünscht sich mehr politischen Gestaltungsspielraum für die Sozialpartner. Das Kräfteverhältnis innerhalb der Partnerschaft wird als unausgewogen wahrgenommen.
Die Sozialpartnerschaft genießt in Österreich hohe Wertschätzung. Laut der jüngsten Umfrage des Österreichischen Gallup-Instituts halten 70 % der Bevölkerung sie für sehr oder eher gut für das Land. Zwei Drittel (68 %) messen ihr eine entscheidende Bedeutung für den sozialen Frieden bei, etwa genauso viele (66 %) sehen sie als wichtigen Pfeiler wirtschaftlicher Stabilität. Besonders positiv stehen der Sozialpartnerschaft junge Menschen bis 30 Jahre gegenüber.
AK führt Vertrauensranking an
Die Arbeiterkammer (AK) erzielt mit 63 % einen deutlich besseren Vertrauenswert als andere Sozialpartner. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) belegt den zweiten Platz (53 %). Weniger gut schneiden die Arbeitgebervertretungen ab: 35 % der Bevölkerung vertrauen der Landwirtschaftskammer (LKÖ), 33 % der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).
Während das Vertrauen in die Arbeitnehmervertretungen (AK und ÖGB) über alle Altersgruppen hinweg relativ stabil bleibt, nimmt es bei den Arbeitgebervertretungen (WKO und LKÖ) mit zunehmendem Alter der Befragten ab. Die Anhängerschaft der FPÖ bringt allen Sozialpartnern deutlich weniger Vertrauen entgegen als die Sympathisant:innen anderer Parteien.
Einfluss auf die Politik
30 % der Befragten sind der Meinung, dass man den Sozialpartnern mehr Einfluss einräumen sollte, 28 % halten ihre derzeitige Rolle für angemessen. Nur 22 % finden, dass der Einfluss der Sozialpartner auf die Politik zu groß ist, 20 % geben keine Einschätzung ab.
Das Kräfteverhältnis innerhalb der Sozialpartnerschaft nimmt die Bevölkerung als asymmetrisch wahr: 44 % schreiben der Arbeitgeberseite einen größeren Einfluss zu, lediglich 12 % sehen die Arbeitnehmerseite im Vorteil. 34 % gehen von einer ausgewogenen Einflussverteilung aus.
Andrea Fronaschütz, Leiterin des Österreichischen Gallup-Instituts:
„In Österreich hat die Sozialpartnerschaft breiten Rückhalt. Leider haben die jüngsten Turbulenzen um die Wirtschaftskammer das Vertrauen in die Arbeitgeberseite spürbar erschüttert. Konkrete Reformsignale wären nicht nur im Interesse der WKO, sondern der Sozialpartnerschaft insgesamt.“
* Gallup-Stimmungsbarometer: Eigenstudie des Österreichischen Gallup-Instituts, 1000 Personen repräsentativ für die (webaktive) österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Methode: Computer Assisted Web Interviewing (CAWI) im Gallup-Onlinepanel, durchgeführt zwischen 19. November und 2. Dezember 2025



