Österreich sieht Trumps USA immer kritischer




Eine große Mehrheit der österreichischen Bevölkerung sieht die US-Politik als Risiko für die globale Stabilität. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit der EU von den USA.
Die Wahrnehmung der Vereinigten Staaten unter der Präsidentschaft von Donald Trump hat sich in Österreich weiter verschlechtert. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Österreichischen Gallup-Instituts*. Bereits im Oktober 2025 gaben 69 % der österreichischen Bevölkerung an, die USA unter Trump negativ zu sehen. Mittlerweile sind es 78 %. Nur unter Sympathisant:innen der FPÖ fällt die Bewertung etwas günstiger aus als in anderen Bevölkerungsgruppen, wenngleich auch hier negative Einschätzungen überwiegen (61 %).
Gefahr für die globale Stabilität
Auch die geopolitische Rolle der USA wird unter Trump wieder kritischer bewertet. Drei Viertel (76 %) der Österreicher:innen sind der Meinung, dass die US-Politik die Welt destabilisiert – ein Wert, der dem Niveau der ersten Amtszeit Trumps entspricht (Ende 2019: 77 %). Während der Präsidentschaft von Joe Biden sah ein wesentlich geringerer Anteil der Bevölkerung eine destabilisierende Wirkung der USA (Ende 2021: 44 %). Aktuell trauen somit mehr Österreicher:innen China eine stabilisierende Rolle in der Weltpolitik zu (22 %) als den USA (14 %).
Transatlantische Beziehungen unter Druck
Das Verhältnis zwischen den USA und der Europäischen Union wird immer mehr infrage gestellt. 60 % der Befragten sehen die Präsidentschaft Donald Trumps als Gefahr für die EU – deutlich mehr als noch im Oktober 2025 (52 %). Für 70 % sind die USA eher ein Konkurrent der EU, nur 17 % sehen sie als Partner.
Parallel dazu wächst der Wunsch nach größerer strategischer Eigenständigkeit Europas. Während sich im Oktober 2025 57 % der Bevölkerung für mehr Unabhängigkeit von Trumps USA aussprachen, sind es inzwischen 68 %. Nur ein Viertel (25 %) ist für Kompromisse (38 % unter den Anhänger:innen der FPÖ).
Verständnis für Trumps Sicherheitspolitik
Die meisten politischen Positionen Donald Trumps werden in Österreich abgelehnt. Dazu zählen ein harter außenpolitischer Kurs gegenüber Ländern wie Grönland oder Venezuela (83 %), Kritik an etablierten Medien (68 %), Zweifel am Klimawandel (68 %), der Rückzug aus internationalen Abkommen (66 %), die Zollpolitik der USA (63 %) sowie Kritik an Diversitätspolitik (61 %).
Größeres Verständnis zeigen die Befragten am ehesten bei innenpolitisch relevanten Themen: dem Kampf gegen Kriminalität (69 %), der Migrationspolitik (53 %) und der Stärkung des Militärs (46 %). Allerdings geht die Zustimmung zur Migrationspolitik zurück: Im Oktober 2025 lag sie noch bei 62 %.
Andrea Fronaschütz, Leiterin des Österreichischen Gallup-Instituts:
„Die Ergebnisse zeigen einen klaren Trump-Effekt: Unter dieser Präsidentschaft wird die amerikanische Politik überwiegend als Quelle globaler Unsicherheit wahrgenommen. Damit wächst der Wunsch nach größerer europäischer Unabhängigkeit. Zudem glaubt die Mehrheit, dass Trumps Amtszeit den USA selbst schaden wird.“
* Gallup-Stimmungsbarometer: Eigenstudie des Österreichischen Gallup-Instituts, 1000 Personen repräsentativ für die (webaktive) österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Methode: Computer Assisted Web Interviewing (CAWI) im Gallup-Onlinepanel, durchgeführt zwischen 4. – 12. Februar 2026